Ein ganz klein wenig “Behind the Scenes”-Material habe ich während der Dreharbeiten zu “Remake” gesammelt, hier findet Ihr nun zwei Fotos und als Flashfilm einige Animationstests für den Legetrick. Die beiden gezeigten Animationen sind, wie unschwer zu erkennen, von Edward Muybridge abgepaust. Hier sieht man jeweils zuerst das Original, dann die Papierschablone, die ich davon angefertigt habe und schließlich den Auschnitt aus dem fertigen Film


Wer sich meinen letzten Film “Remake” angesehen hat, der hat vermutlich den Wechsel des Gesichtsausdrucks an der Stelle bemerkt, an der der Charakter feststellt, dass ihn die Steine aus dem Kino verfolgen. Das folgende Gesicht war keinesfalls genau so wie ich es mir vorgestellt hatte, aber ich hatte einfach nicht den passenden Kopf, der einerseits zum anderen (lächelnden) Gesicht passt und andererseits einen verängstigten oder besorgten Ausdruck zeigt. Statt dessen musste es der ärgerliche Gesichtsausdruck tun, den einige Leute - verständlicherweise - nicht verstanden.
Nun gibt es zwar eine ganze Menge verschiedener Gesichter von Lego aber es ist trotzdem ziemlich schwer, verschiedene Gesichtsausdrücke für den selben Charakter zu finden. Deswegen musste jetzt mal das her, was man in der Lego-Szene gemeinhin als “Minifig Customization” bezeichnet. Nach einiger Suche befand ich, dass die beste Methode zum Übertragen von Designs wohl das DecalPro-System ist. Mit diesem System kann man Laserausdrucke oder Kopien (wichtig ist, dass es sich um Toner handelt) auf beliebige Oberflächen übertragen. Dazu sind einige spezielle Materialien notwendig, konkret ein beschichtetes Spezialpapier (”TTS” genannt), beschichtete Plastikfolien (die kann man als den Kern des Systems bezeichnet, die Beschichtung reagiert unter Hitze mit dem Toner) und Transferfolie. Man braucht außerdem ein Laminiergerät und eine Heißluftpistole, Alkohol zum Reinigen der Oberflächen und ein Papierschneidemesser und am besten eine entsprechende Schneidematte. Nachdem man die Farbfolien angewendet und die Transferfolie aufgebracht hat, kommt das ganze in ein Wasserbad, in dem sich die Folie zusammen mit der Beschichtung und dem Toner vom Papier löst, danach kann das Design auf die Zieloberfläche übertragen werden. Der größte Vorteil gegenüber Wasserschiebebildern ist vermutlich, dass man schwarz ausdrucken kann, und das ganze am Ende schwarz, grau, weiß oder metallic-farben aussehen kann oder einen Glitzereffekt bekommt. Ebenso kann man eingeschränkt Vollfarbausdrucke übertragen. Wenn man mehrere Schichten verwendet, dann ist auch ein Design mit weißen Flächen auf dunkler Oberfläche möglich. Ich habe mir das Startset für 85 Euro gekauft (bei http://www.druckeronkel.de). Zusätzlich brauchte ich noch ein Laminiergerät (20 Euro) und eine Heißluftpistole (15 Euro). Und einen Farblaserdrucker (aber den wollte ich mir ohnehin kaufen
).
Funktioniert das ganze? Ja, aber man braucht einiges an Übung. Das Porsche-Logo unten war mein erster Versuch (beim Startset sind zwei Bögen mit fertigen Ausdrucken dabei, damit man gleich loslegen kann, von den 24 Logos habe ich etwa 12-13 übertragen bevor ich mich an eigene Ausdrucke herangewagt habe). Problem: Die Farbschicht ist nicht am Toner haften geblieben (offenbar war der Grund, dass der Laminierer noch nicht heiß genug war).

Meine eigenen Ausdrucke: Beim Steinerei-Logo fehlen zwei Buchstaben, die während des Wasserbads davongeschwommen sind. Das Bricks in Motion-Graffiti zeigt, dass auch Druckraster funktionieren, sofern es nicht zu hell wird. beim “t”, “i” und “o” fehlen Teile, weil offenbar zu viel Weiß im Spiel war, wodurch die übrigen Farbpunkte lieber an der Folie als an der Oberfläche haften blieben.
Die Gesichter gefallen mir bislang am besten, auch wenn das Design noch nicht perfekt ist. Es handelt sich hierbei um zwei Schichten: Weiß für die Pupillen und Schwarz für den Rest. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit diesen Köpfen zu animieren.

(der untere Kopf ist original von Lego zum Vergleich)
Ist das ganze Kratzfest? Weitgehend ja. Wenn man es drauf anlegt, dann kann man es zwar mit den Fingernägeln relativ leicht wieder entfernen, aber normal behandelt bleibt alles an Ort und Stelle.
Nach anfänglicher Skepsis macht es mir inzwischen durchaus Spaß. Zwar verabschieden sich nach wie vor Teile von Designs im Wasserbad oder bleiben nicht an der Zieloberfläche kleben, aber ich habe inzwischen genug Erfolge erzielt um zu glauben, dass das ganze nützlich sein wird.
Was ich jetzt noch brauche sind bessere Designs, aber daran arbeite ich.
Links:
Kommentare (4)Mein Beitrag zur Steinerei 2008 in Hildesheim, wo er den Preis der Jury gewann. Der Film erzählt die Geschichte eines, naja, Remakes. Viel Spaß.
Kommentare (2)…bei der neuen Version meiner Homepage. Auch wenn sie bislang nicht viel mehr Information bietet als die alte, so gibt es doch eine wichtige Neuerung: Sie ist jetzt ein Blog. Ganz im Stil der Zeit, aber insbesondere deshalb, weil ich mir vorgenommen habe, jetzt regelmäßig meine Gedanken zu einigen Themen aufzuschreiben (die im wesentlichen damit zu tun haben, Legosteine zu filmen und die Filme anschließend mit Freier Software zu editieren). Und was gibt es schöneres als die Ergebnisse dann auch gleich mitzuteilen?
Nebenbei (auch wenn das eigentlich die Hauptarbeit war) habe ich das Design angepasst, es musste ein Thema für die Blogsoftware (Wordpress) her. Da etwas fertiges zu nehmen ist nicht mein Ding, auch wenn einige der vorhandenen Designs wirklich gut sind.
Wo ich gerade dabei war, habe ich außerdem meine Filme neu kodiert. Es gibt jetzt für jeden Film ein Flashapplet, in dem man ihn sich direkt auf der Seite ansehen kann (im YouTube-Stil), ebenso habe ich MP4-Dateien mit h264/AAC hochgeladen (die alten AVIs mit XviD gefielen mir schon lange nicht mehr so, außerdem muss ich wohl heute weniger auf Besucher mit langsamem Internetzugang Rücksicht nehmen als noch vor vier Jahren, also habe ich auch gleich eine höhere Datenrate verwendet - und wer wirklich eine kleine Version der Filme will, der kann ja die FLVs für die Flashdarstellung ebenso herunterladen). Ogg Theora/Vorbis folgt noch, ebenso werde ich mich mal mit Dirac auseinandersetzen.
Viel Spaß auf dieser Seite und ich hoffe möglichst viele hier regelmäßig begrüßen zu können! (ich weiß, das hängt wesentlich von mir ab…)
Kommentare (2)Für eine Legofigur muss Knete schon etwas eigenartiges sein - keine Noppen, keine feste Form, kein Nutzen. Es sei denn natürlich, man ist Künstler. Dies ist mein Beitrag zur Steinerei 2007. Der Film gewann den von der Jury vergebenen Preis “Bester Film”.
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